Meta Kauft Sich Für Nur 17 Mill­iarden Aus Dem Kinder­schutz-Prozess Frei

17 Milliarden und kein Schuldeingeständnis. Ein guter Tag für Mark Zuckerberg. Ein schlechter Tag für ein besseres Internet. Europa darf sich beim Jugendschutz nicht auf US-Gerichte verlassen.
Markus Beckedahl, Zentrum für Digitalrechte und Demokratie

Es war als Jahrhundertprozess geplant. 29 US-Bundesstaaten wollten Meta gemeinsam wegen Verstößen gegen den Kinder- und Jugendschutz vor Gericht bringen. Daraus wird jetzt nichts. Das Unternehmen hat einen Vergleich ausgehandelt und zahlt knapp 17 Milliarden Dollar als Entschädigung. Das klingt viel, ist aber ein riesiger Erfolg für den Konzern von Mark Zuckerberg. Die Aktie schnellte in die Höhe.

Die Staaten warfen Meta vor, seine Plattformen gezielt auf die Bindung von Kindern ausgelegt zu haben, mit Endlos-Scrollen und Empfehlungen, die zwanghafte Nutzung fördern. Und sie warfen dem Konzern vor, Daten von Kindern ohne Zustimmung der Eltern gesammelt und damit KI-Modelle trainiert zu haben.

Zu Beginn der Klage stand eine Summe von bis zu 1,4 Billionen US-Dollar im Raum. Zwischenzeitlich war immerhin noch von rund 200 Milliarden US-Dollar die Rede. Geworden sind es nun 16,68 Milliarden US-Dollar. Für Meta, das in 2025 bei 200,966 Milliarden US-Dollar Umsatz nach Steuern einen Gewinn von 60,458 Mrd. Dollar gemacht hat, ist das keine kleine, aber eine verkraftbare Summe. Relativ gesehen entspricht der Umfang des Vergleichs nur etwas mehr als 1% der Anfangs für möglich gehaltenen Summe von 1,4 Billionen US-Dollar.

Die Meta Aktie schoss direkt nach Verkündung der Einigung um 4,4% nach oben. Der Vergleich wird von den Märkten also als klarer Sieg für Meta gesehen, weil es der erwarteten höheren Strafzahlung entgangen ist.

Digital rights need a strong voice — your support helps make it heard.

As a non-profit organisation, we rely on donations to fund our work. Help us curb abuses of power and strengthen digital sovereignty.

Der Prozess war mit der Hoffnung verbunden, dass es, ähnlich wie in den Verfahren zur Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens, hiermit zu einem Big Tobacco - Moment kommt bei dem eine schädliche Industrie zur Rechenschaft gezogen wird.

Doch mit dem Vergleich endet ein spektakulärer Gerichtsprozess abrupt, bevor er richtig begonnen hat. Meta dürfte dabei noch glimpflich davon gekommen sein. Ein Urteil, das sich intensiv mit dem Geschäftsmodell und seinen gesellschaftlichen Folgen beschäftigt, hätte wohl zu weit höheren Schadenssummen und Reputationsschäden geführt.

Immerhin verpflichtet sich Meta nun im Gegenzug dazu, die Nutzungsdauer für Jugendliche auf seinen Plattformen zu begrenzen. Darüber hinaus will das Unternehmen von Mark Zuckerberg auf Facebook, Instagram und Co. künftig auch Funktionen entfernen, die psychische Probleme wie Depression, Essstörungen oder Suchtverhalten bei den Nutzenden verstärken. Die genauen Details der Einigung sind öffentlich noch nicht bekannt.

Klar ist jedoch schon jetzt:

  • Auch wenn die Einigung nur junge Menschen trifft, zielt sie durchaus auf den Kern des Geschäftsmodells von Meta. Denn momentan nutzt der Tech-Konzern verschiedene Tricks, um die Nutzer möglichst lange auf der Plattform zu halten. So bekommen sie beispielsweise ungefragt stets neue Inhalte angezeigt (Auto-Play), werden mit ständigen Benachrichtigungen zur Weiternutzung animiert und können nur wenig Einfluss darauf nehmen, was in ihrer Timeline auftaucht. Im Ergebnis landen Menschen so oft in einem Prozess des Doom-Scrolling und sind länger auf sozialen Medien als es ihnen selbst gut tut. Das Ziel von Meta ist es, die Vorliegen und Präferenzen so detailliert wie möglich kennenzulernen und so viele Datenpunkte über einzelne Menschen zu sammeln, wie möglich. Denn Werbekunden investieren ihr Marketingbudget nur dann in personalisierte Werbeangebote des Meta Konzerns, wenn sie sich dort eine hohe Treffergenauigkeit für ihre Werbegelder versprechen.

  • Für Erwachsene ändert sich an dem toxischen Geschäftsmodell des Meta-Konzerns nichts. Die Veränderungen betreffen nur junge Menschen – und noch ist unklar, wie weitgehend und wirkungsvoll die Zusagen des Meta-Konzerns tatsächlich sind.