📝 & 🗣️: Jasmin Ehbauer
📹 & ✂️: Marc Nikoleit
TikTok kann süchtig machen. Das ist das vorläufige Ergebnis einer Untersuchung der EU-Kommission.
TikTok ist so aufgebaut, dass Nutzer:innen unendlich scrollen können und mit immer neuen Inhalten belohnt werden. Videos starten automatisch, es gibt ständig Push-Benachrichtigungen, der Algorithmus ist genau auf einen zugeschnitten. Das fördert laut Kommission den Drang, immer weiter zu scrollen.
Viele junge Menschen verbringen circa 3 Stunden täglich auf Kurzvideo-Apps. Und vor allem GenZ und Millenials finden es schwer, TikTok wieder zu schließen.
Mit diesem addictive - also abhängig machenden - Design verstößt TikTok gegen den Digital Services Act, kurz DSA. Der soll Nutzer:innen vor möglichen Risiken auf sozialen Medien schützen.
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Suchtpotential überwiegt Sicherheitsmaßnahmen
Konkret wirft die EU-Kommission ByteDance - dem Unternehmen hinter TikTok - vor, beim Aufbau der App die Risiken für die psychische und körperliche Gesundheit der Nutzer:innen nicht ausreichend berücksichtigt zu haben. TikTok bietet zwar Möglichkeiten, die Nutzung zu beschränken. Zum Beispiel eine Kindersicherung oder eine tägliche Zeitgrenze. Das Suchtpotential ist laut Kommission aber zu groß und die angebotenen Maßnahmen reichen nicht aus.
Das haben viele jungen Nutzer:innen auch selbst schon erkannt – und versuchen proaktiv ihre Social Media-Nutzung zu regulieren. Zum Beispiel, indem sie Push-Benachrichtigungen ausschalten oder die Nicht-Stören-Funktion nutzen. Auch externe Apps für Zeitlimits oder den Bildschirm auf schwarz-weiß stellen kann helfen.
Trotzdem sollten Unternehmen die Verantwortung nicht auf Nutzer:innen schieben, sondern müssen Weichen für einen kontrollierten Umgang mit der Plattform stellen. Die Kommission fordert deshalb, dass TikTok das grundlegende Design der Plattform ändern muss. Zum Beispiel die Autoplayfunktion abstellen und nachts keine Push-Benachrichtigungen mehr senden.
Warum TikTok und nicht Insta Reels oder YouTube Shorts?
Die Reel-Seite von Instagram und YouTube Shorts funktionieren nach den gleichen Mechanismen wie TikTok. Aber Meta und YouTube stehen als US-Unternehmen unter Trumps Schutz. ByteDance ist ein chinesisches Unternehmen.
Die EU-Kommission kann mit TikTok einen Präzedenzfall schaffen. Das macht es später leichter, auch gegen Meta und YouTube vorzugehen. Und gegen Meta ist bereits ein DSA-Verfahren gestartet.
Plattform streitet Vorwürfe ab
TikTok hat jetzt Gelegenheit, sich zur Untersuchung der EU-Kommission zu äußern. Gegenüber der Presse bestritt das Unternehmen die Ergebnisse als - Zitat - „kategorisch falsch“ und „völlig haltlos“.
Es stimmt: Es ist schwer, einen kausalen Zusammenhang zwischen Suchtverhalten und App-Design nachzuweisen. Auch deshalb, weil es dafür Daten bräuchte, die nur die Plattformen besitzen und nicht herausgeben.
Aber vorhandene Studien zeigen durchaus, dass eine problematische Social-Media-Nutzung die psychische Gesundheit negativ beeinflussen kann.
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